SCHARFSINN – SCHERENPROFI ANDREAS LORENZI IM INTERVIEW

Andreas Lorenzi führt in 6. Generation die Firma Lorenzi – feinste Stahlwaren & Schleiferei mit einem Geschäft für Messer und Scheren aller Art in der Wiener Siebensterngasse und einem hauseigenen Schleifservice in der Werkstatt am Ende der Landstraßer Hauptstraße. Im Oktober 2017 haben er und seine Frau Katharina mit der Galerie Scharf- Sinn eine zusätzliche Plattform und Showbühne für Schneidegeräte aller Art geschaffen. Wir haben dem leidenschaftlichen Schneid-Experten beim Scherenschleifen über die Schulter geschaut und uns mit ihm über das Kantenbrechen, YouTube-Tipps und die Augen einer Schere unterhalten.

Wann bringe ich meine Schere zum Schleifservice?
Scheren halten normalerweise recht lang, die muss man nicht jedes Jahr zum Schleifen bringen, aber die Faustregel ist die: immer dann, wenn das Ding nicht mehr so seinen Zweck erfüllt und nicht mehr optimal geht. Wenn man zum Beispiel merkt, dass die Schere den Stoff schiebt, oder dass die Schere bei der Spitze nicht mehr sauber schneidet.

Zahlt es sich aus, die Schere schleifen zu lassen, oder kaufe ich mir gleich eine Neue?
Bei uns ist jeder angehalten – ohne sich zu genieren – seine nicht mehr funktionstüchtigen Scheren in unserem Geschäft im 7. Bezirk vorbeizubringen. Wir schauen uns die Schere im Detail an, und noch bevor irgendwelche Kosten entstehen, wird der Kunde darauf hingewiesen, was sinnvoll und möglich ist oder nicht.

Wieviel kostet das Schleifen?
Ich sage jetzt mal grob: Das Schleifeneiner kleinen Haushalt- oder Stickschereliegt bei ungefähr zehn Euro, eine großeZuschneideschere bei ungefähr 22 Euro. Scherenschleifen ist schon sehr aufwendig. Ich schleife eigentlich zwei komplizierte Messer, die miteinander funktionieren müssen. Das ist die Schwierigkeit dabei. Wir haben im Schleifservice eine Qualität der Arbeit, wie man sie auch beim Neuprodukt kaum mehr findet. Pro Schere sind das für meinen Mitarbeiter und mich elf Arbeitsschritte, vom ersten Check übers Auseinandernehmen, Vorschleifen, die Kanten brechen, dann wird sie wieder zusammengebaut, die Spitzen werden gerichtet und und und.,,

Einer der elf Arbeitsschritte ist die “Unterschrift” der Firma Lorenzi auf der Schere.
Dabei werden in einer Bewegung und in einem uns eigenem Zug drei Kanten bei der Schere auf einmal gebrochen, das ist ein kleines Detail, ob die Schere schon bei uns war.

Wenn ich mich entschlossen habe, eine neue Schere zu kaufen, worauf soll ich achten?
Was ich auf jeden Fall empfehle, sind klassisch geschmiedete Scheren, die geschraubt und nicht vernietet sind. Viele Leute haben gerne Kunststoffgriffe, weil sie weicher und leichter sind, im Vergleich zum Stahl sind die natürlich auch weniger robust. Wenn ich mir eine hochwertige Schere aus Stahl kaufe, habe ich die ein Leben lang.

Andreas Lorenzi beim Schleifen

Wie finde ich meine perfekte Schere?
Welche Schere passt, ist auch davon abhängig, welche Handgröße oder welchen Schnitt man hat. Nicht nur die Länge der Blätter, sondern auch die Größe der Augen, das sind die Ringe, wo man mit den Fingern durchfährt, sind verschieden groß. Gerade bei den Stickscheren gibt es welche, die zart sind oder die ein bisschen größer sind, da gibt es definitiv Unterschiede. Bei uns im Geschäft in der Siebensterngasse kann man die Scheren natürlich ausprobieren, in die Hand nehmen und ein paar Schnitte machen.

Wie pflege ich die Schere?
Zur Handhabung ist einmal klar, man soll damit nur das schneiden, wofür sie eigentlich gemacht ist. Was ich generell zur Pflege tun kann, ist der Schere bei der Schraube, hinter der Schraube und vorne ab und an ein paar Tropfen Nähmaschinenöl zu spendieren, Weil größere Zuschneidescheren eigentlich allesamt nicht rostfrei sind und oxidieren können, sollte man sie manchmal einfach mit einem öligen Fetzen abwischen, dann werden die Scheren auch nicht rostig. Wenn man spürt, dass die Schneidekanten metallisch trocken sind und regelrecht haken – gerade Filz entfettet stark – kann man vorsichtig mit dem Finger innen über die Schneide wischen, damit kommt eine Spur Fettfilm auf die Schneidekante, und das gleitet dann wieder leichter. Das Ganze hat aber nichts mit Schleifen und Schärfen zu tun, sondern nur mit der Schmierung.

Kann ich zwischendurch meine Schere selber schärfen oder schleifen?
Was man auf alle Fälle unterlassen sollte: YouTube-Videos Glauben schenken. Da gibt es Experten, die sagen, man muss in Alufolie reinschneiden. Zwar wird die Schere dadurch nicht kaputt, weil Alufolie weicher ist als die Schere, aber der Tipp bringt genau nichts. Andere Tipps lauten, dass man mit der Schere durch ein Schleifpapier schneiden soll, was ich dazu sagen kann: Die Schere wird auf jeden Fall anders, aber sie wird sicher nicht scharf, weil mit dem Schleifpapier habe ich den Abtrag überall, aber nicht, wo ich ihn haben will. Also möglichst keine Experimente machen, die Schere wird meistens nicht besser.

LORENZI – feinste Stahlwaren & Schleiferei
Siebensterngasse 41, 1070 Wien
Öffnungszeiten:
Mo-Fr: 9.00–12.30 und 14.00-18.00
Sa: 10.00–14.00
www.lorenzi.co.at